Die Gutenberg-Bibel aus Sankt Paul
Die Gutenberg-Bibel, die einst im Stift Sankt Paul im Lavanttal aufbewahrt wurde, ist eine konkrete dreibändige Ausgabe eines der frühesten großen Druckwerke Europas. Ihre Stationen reichen von einer Benediktinerbibliothek im Schwarzwald über mehrere Klöster bis zur Library of Congress in Washington.
Gutenbergstatue in Wien
Foto: Markus Lenk
Die Gutenberg-Bibel aus Sankt Paul auf einen Blick
- Das Werk entstand 1454/1455 in Mainz in der Offizin Johannes Gutenbergs und Johannes Fusts.
- Gedruckt wurde der lateinische Bibeltext der Vulgata; die Buchstaben und Überschriften wurden teilweise von Hand farbig gestaltet.
- Das heute in Washington verwahrte dreibändige Exemplar gelangte 1809 aus dem Kollegiatstift Spital am Pyhrn nach Sankt Paul im Lavanttal.
- Otto Vollbehr vereinbarte 1926 den Kauf; der US-Kongress erwarb später seine Sammlung, die Bibel kam 1930 nach Washington.
Ein frühes Buch aus beweglichen Metalllettern
In Mainz entstand die Bibel um 1454/1455 als großformatiges Druckwerk mit beweglichen Metalllettern. Es war die erste große typografisch gedruckte Bibel Westeuropas. Der Text folgt der lateinischen Vulgata. Die Druckseiten sind in zwei Spalten gesetzt; farbige Initialen und Überschriften ergänzten die gedruckten Buchstaben von Hand.
Das konkrete Sankt-Paul-Exemplar umfasst drei Bände und ist auf Pergament gedruckt. Seine weißen Schweinsleder-Einbände stammen aus dem 16. Jahrhundert. Die einzelnen Bände bilden gemeinsam die Bibelausgabe, deren Besitzweg nach Kärnten und später in die Vereinigten Staaten führt.
Der Weg von Sankt Blasien ins Lavanttal
Im 18. Jahrhundert befand sich das Exemplar in der Bibliothek der Benediktinerabtei Sankt Blasien im Schwarzwald. Nach dem Einmarsch französischer Truppen 1796 wurde es zunächst in das Kloster Einsiedeln gebracht. 1807 kam es in das Kollegiatstift Spital am Pyhrn, 1809 in das Benediktinerstift Sankt Paul im Lavanttal. Ein Fachgelehrter belegte die Anwesenheit der Gutenberg-Bibel dort 1900.
1455 berichtete der Humanist Aeneas Silvius Piccolomini einem Kardinal in Rom, die Bibel sei fertiggestellt und bereits verkauft. Dieser Brief gilt als erster bekannter Hinweis in Europa auf die neue typografische Drucktechnik. Zur regionalen Kulturgeschichte gehört auch die Literatur in Kärnten. Das Lavanttal bildet den regionalen Rahmen dieses Besitzwegs; die Region Lavanttal umfasst auch das Umfeld des Stifts.
Verkauf und heutiger Aufbewahrungsort
Nach dem Ersten Weltkrieg baute der Sammler und Händler Otto Vollbehr eine Sammlung früher Drucke auf. 1926 vereinbarte er mit den Mönchen von Sankt Paul den Erwerb der dreibändigen Bibel; das Werk blieb zunächst im Lavanttal. Später kaufte der US-Kongress Vollbehrs Sammlung mit rund 3.000 Inkunabeln und der Gutenberg-Bibel. Die Übergabe der drei Bände wurde 1930 in Österreich abgeschlossen; am 3. September traf das Exemplar in Washington ein.
Häufige Fragen zur Gutenberg-Bibel
Warum heißt sie auch 42-zeilige Bibel?
Auf den meisten Seiten stehen 42 Zeilen in zwei Spalten. Die Zeilenzahl begründet den gebräuchlichen Namen dieser Ausgabe.
Wo wird das Exemplar aus Sankt Paul heute gezeigt?
Die dreibändige Pergamentausgabe wird in der Library of Congress in Washington in der Great Hall des Jefferson Building öffentlich ausgestellt.