Die Legende von Briccius und Heiligenblut
Die Legende um Briccius erklärt in der Überlieferung den Namen Heiligenblut. Sie verbindet eine Erzählung von einer Reliquie mit der Geschichte der Wallfahrtskirche St. Vinzenz am Großglockner.
Legende Heiligenbut
Foto: Dagobert Wiedamann
Heiligenblut und Briccius in Kurzfakten
- Die Sage verlegt Briccius’ Tod in den Hohen Tauern und datiert die Erzählung auf das Jahr 914.
- In der Legende entdeckt man bei Briccius ein Fläschchen mit dem Blut Christi; der Fund erklärt den Namen Heiligenblut.
- Die örtliche Überlieferung verbindet die Reliquie mit der Wallfahrtskirche St. Vinzenz.
- Die Pfarrkirche ist dem heiligen Vinzenz von Saragossa geweiht; Friedhof und Karner werden 1253 urkundlich erwähnt.
- Für die Verehrung des „Heiligen Bluet“ ist 1273 eine Wallfahrt belegt.
Die Erzählung von der Reliquie
Der Sage nach stammte Briccius aus Dänemark und diente am Hof des byzantinischen Kaisers in Konstantinopel. Als er in seine Heimat zurückkehren wollte, nahm er ein Fläschchen mit einigen Tropfen des Blutes Christi mit. Auf dem Weg über die Alpen verirrte sich Briccius in den Hohen Tauern und kam ums Leben. Im folgenden Frühjahr sollen Bauern drei Weizenähren im Schnee entdeckt und den darunterliegenden Toten gefunden haben. Bei der Bestattung ragte der Überlieferung nach ein Bein aus dem Grab. An diesem fanden die Einheimischen die Reliquienflasche samt einer Nachricht Briccius’. Die Erzählung endet mit der Deutung, dass der Fund dem Ort seinen Namen gab.
Wallfahrtskirche mit eigener Chronologie
Der Kirchenort ist älter als die heutige Wallfahrtskirche. Friedhof und Karner werden 1253 erstmals urkundlich erwähnt. 1273 ist eine Wallfahrt zum „Heiligen Bluet“ bezeugt. Der Beschluss, ein größeres Gotteshaus zu errichten, fiel 1390; nach fast hundertjähriger Bauzeit wurde die Kirche am 1. November 1491 eröffnet. Die spätgotische Kirche trägt das Patrozinium des heiligen Vinzenz von Saragossa.
Die Verehrung des Briccius und das Patrozinium des Vinzenz prägen die Wallfahrtskirche auf unterschiedliche Weise. Sie steht in Heiligenblut am Großglockner, im nordwestlichen Kärnten, wo religiöse Überlieferung und Hochgebirgslandschaft zusammentreffen.
Ort und Alpenraum
Heiligenblut liegt in der Nationalparkregion Hohe Tauern; im Ortsbild bilden die Kirche und der Großglockner eine markante Kulisse. Die Großglockner-Hochalpenstraße verbindet Kärnten und Salzburg. Der Bau der Hochalpenstraße begann am 30. August 1930 mit der ersten Sprengung. Franz Wallack plante die Trasse; Salzburgs Landeshauptmann Franz Rehrl war die politische treibende Kraft. Am 3. August 1935 wurde die Straße eröffnet. Von Heiligenblut führt die Südrampe über Guttal und das Hochtor nach Salzburg. Bei Guttal zweigt die Gletscherstraße ab und führt zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe am Fuß des Großglockners.
Häufige Fragen zur Briccius-Legende
Ist Briccius ein offiziell anerkannter Heiliger?
Briccius wurde von der Kirche nie offiziell bestätigt oder heiliggesprochen. Sein Kult gehört zur örtlichen religiösen Überlieferung; das Patrozinium der Pfarrkirche gilt Vinzenz von Saragossa.
Wann taucht die Legende schriftlich auf?
Die Erzählung verweist auf 914, doch gesicherte schriftliche Zeugnisse reichen erst in das frühe 17. Jahrhundert zurück.
Was geschah 1271?
Bischof Heinrich von Chiemsee gewährte einen 40-tägigen Ablass für Gläubige, die die Reliquie verehrten und zum Bau einer neuen Kirche beitrugen.