Ossiach
Am Südufer des Ossiacher Sees liegt Ossiach mit einem markanten historischen Mittelpunkt: dem ehemaligen Benediktinerstift und seiner Stiftskirche. Die Anlage wurde über Jahrhunderte verändert; romanische Ursprünge, gotische Spuren und barocke Ausstattungen sind noch heute ablesbar. Seit 1969 prägt außerdem der Carinthische Sommer den Ort als Musikstandort. Seeufer und Klosterensemble bilden so eine Verbindung von Landschaft, Glaubensgeschichte und Kultur.
Ossiach in Kurzfakten
- Das Benediktinerstift Ossiach wurde 1024 gegründet und zählt zu den ältesten Klöstern Kärntens.
- Die Stiftskirche Mariae Himmelfahrt geht auf eine romanische Basilika zurück; die Kärnten-Werbung beschreibt einen Bau vor 1028.
- Ein Brand zerstörte 1484 Teile des Klosters und der Kirche; die Kirche wurde anschließend gotisch umgestaltet und im 18. Jahrhundert barock erneuert.
- 1783 wurde das Kloster aufgehoben. Teile der Anlage, darunter der Kreuzgang an der Südseite, wurden 1816 abgetragen.
- Der Carinthische Sommer wurde 1969 als Musikfestival im Stift Ossiach am Ossiacher See gegründet.
Das Stift als historischer Kern des Ortes
Nach der Überlieferung der Gemeindegründung entstand das Benediktinerkloster 1024 unter dem bayerischen Adeligen Ozi I. und seiner Frau Glismod. 1028 wird das Stift urkundlich greifbar, als ihr Sohn Ozi II. es seinem Bruder Poppo, dem Patriarchen von Aquileja, verkaufte. Die Legende, der polnische König Boleslaus habe seine letzten Jahre als Büßer in Ossiach verbracht, ist seit dem 16. Jahrhundert überliefert. Sie gehört zur örtlichen Erzähltradition und wird seit dem 16. Jahrhundert mit Ossiach verbunden.
Über die Jahrhunderte veränderte sich die Anlage. Die Kirche Mariae Himmelfahrt bildet den nördlichen Teil des früheren Klostergevierts. Die Gemeinde beschreibt eine dreischiffige romanische Basilika mit Hallenkrypta und drei Rundapsiden als frühen Bauzustand. Nach dem Brand von 1484 entstand eine gotische Umgestaltung; ein Flügelaltar in der Gotischen Kapelle stammt aus der Zeit um 1505. Zwischen 1737 und 1746 kamen barocke Stuckaturen und Fresken hinzu. Die Ausstattungen lassen die Abfolge der Epochen innerhalb eines einzigen Kirchenraums nachvollziehen.
Als Joseph II. 1783 die Aufhebung des Klosters veranlasste, blieb die Kirche Pfarrkirche, während die Stiftsgebäude verschiedene weltliche Nutzungen erhielten. Der südliche Kreuzgang wurde 1816 abgetragen. Im erhaltenen Baukomplex sind Hof, Kirche und Wirtschaftsgebäude weiterhin als zusammengehöriges Ensemble lesbar. Das Stift steht direkt am See und gibt dem Ort eine andere Silhouette als die Ferienorte, die primär über Seebäder und Uferpromenaden wahrgenommen werden.
Carinthischer Sommer: Musik im ehemaligen Kloster
1969 entstand im Stift Ossiach der Carinthische Sommer. Das Festival verband die sommerliche Umgebung mit klassischer Musik; zu den frühen Künstlernamen zählen Mstislaw Rostropowitsch und Leonard Bernstein. 1977 fand in Villach das erste europäische Leonard-Bernstein-Festival des Carinthischen Sommers statt, verbunden mit einer Aufführung seiner revidierten dritten Sinfonie „Kaddish“. Die Chronik des Festivals betont auch den Stellenwert zeitgenössischer Musik und von Uraufführungen. Damit reicht die Kulturgeschichte des Ortes über die Baugeschichte hinaus bis zu einem Festival, das sich von Ossiach und Villach an weitere Spielorte in Kärnten ausgebreitet hat.
Der Carinthische Sommer ist dabei Teil eines gegenwärtig genutzten Kulturraums: Stiftskirche und Klostergebäude dienen weiterhin Konzerten, Musikseminaren und der Carinthischen Musikakademie. Die Sakralarchitektur ist also nicht nur historischer Bestand, sondern prägt die Akustik und Atmosphäre des heutigen Musiklebens. Konzertbesuche verbinden den Blick auf die barocke Ausstattung mit einem Ort, an dem Musik seit Jahrzehnten Teil der lokalen Identität ist.
Uferlandschaft zwischen Kloster und See
Ossiach liegt am südlichen Ufer des Ossiacher Sees, dessen Wasserfläche sich nach Norden zur Gerlitzen Alpe öffnet. Das Zusammenspiel von Ufer, bewaldeten Höhen und dem Stift macht die Ortslandschaft gut erkennbar. Ein Spaziergang durch den Ort verbindet die Stiftsanlage mit dem See; längere Ausflüge erschließen den weiteren Uferraum. Die Nachbarstadt Villach liegt südwestlich des Sees, während die Region Villach, Faaker See und Ossiacher See die weitere Seen- und Berglandschaft einordnet. Am Ufer öffnet sich der Blick auf den Ossiacher See, dessen Wasserfläche den Ort mit den bewaldeten Hängen und der Gerlitzen Alpe verbindet.
Häufige Fragen zu Ossiach
Wann wurde das Stift Ossiach gegründet?
Die Gründung wird auf 1024 datiert. Eine Urkunde aus 1028 erwähnt den Verkauf des Stifts an Poppo, den Patriarchen von Aquileja.
Welche Baustile sind in der Stiftskirche zu sehen?
Die Kirche geht auf eine romanische Basilika zurück. Nach dem Brand von 1484 wurde sie gotisch umgestaltet; im 18. Jahrhundert folgten barocke Stuckaturen und Fresken.
Was verbindet Ossiach mit dem Carinthischen Sommer?
Das Musikfestival wurde 1969 im Stift Ossiach am Ossiacher See gegründet. Die Stiftskirche und die ehemalige Klosteranlage sind bis heute Teil des Musik- und Kulturlebens am Ort.