Maria Wörth
Auf einer Halbinsel am Südufer des Wörthersees erhebt sich Maria Wörth mit zwei Kirchen über dem Wasser. Die spätgotische Wallfahrtskirche und die kleinere Winter- oder Rosenkranzkirche bilden zusammen mit dem Karner eine historische Baugruppe. Bis 1770 war die Halbinsel eine Insel. Diese Lage, die jahrhundertealte Wallfahrt und die Fresken der kleinen Kirche machen den Ort zu einem der prägenden Kulturplätze am See.
Maria Wörth in Kurzfakten
- Das Bistum Freising gründete um 830 eine Tochterkirche auf der damaligen Insel im Wörthersee; eine Marienkirche auf dem höchsten Inselplateau entstand um 875.
- Die kleinere Winterkirche wurde 1155 von Bischof Roman von Gurk geweiht.
- Beide Kirchen brannten 1399 ab und wurden in den folgenden Jahrzehnten wieder aufgebaut; die Wallfahrtskirche erhielt später eine barocke Ausstattung.
- Romanische Fresken aus dem 12. Jahrhundert schmücken den Chor der Winterkirche; sie wurden 1895 freigelegt.
- Eine Verbindung zum Festland entstand im Zuge der Umgestaltung des Seeufers; die frühere Insel wurde bis 1770 zur Halbinsel.
Zwei Kirchen erzählen unterschiedliche Kapitel
Die größere Wallfahrtskirche steht auf dem höchsten Plateau der früheren Insel. Um 875 entstand dort eine Marienkirche; Reliquien der Märtyrer Primus und Felizian wurden in ihrer Krypta beigesetzt. Das begründete die Bedeutung der Kirche als Missions- und Wallfahrtsort. In der heutigen spätgotischen Kirche erinnern ein Gnadenbild der Madonna, die Figuren der Heiligen Primus und Felizian sowie der barocke Hochaltar an diese Tradition. Unter dem Chor führt eine Treppe in die romanische Krypta, deren Gewölbe von Säulen getragen wird.
Die kleinere Winterkirche diente dem regelmäßigen Pfarrgottesdienst. Sie wurde 1155 geweiht; ihr Name hängt mit den Heiligenfesten zusammen, die in die Wintermonate fielen. Ihr romanischer Baukörper erhielt nach dem Brand von 1399 eine neue Gestalt. Besonders kostbar sind die Fresken im Chor: Christus erscheint thronend, von den zwölf Aposteln umgeben. Die Malereien aus dem 12. Jahrhundert zählen zu den bedeutenden frühen Wandbildern im Alpenraum und wurden erst 1895 wiederentdeckt. Die Rosenkranzkirche bildet den dritten Namen dieser kleinen Kirche und verweist auf ihre spätere Verehrungstradition.
Von der Insel zum kirchlichen Zentrum am See
Maria Wörth entwickelte sich aus einer frühen kirchlichen Niederlassung zu einem religiösen und politischen Zentrum Kärntens. Zwischen 1146 und 1150 wurde ein Kollegiatstift gegründet; die größere Kirche erhielt den Rang einer Propsteikirche. Der Karner im Südosten der Stiftskirche kam 1278 hinzu und ergänzt bis heute die Kirchen auf der Halbinsel. Die bauliche Gruppe ist damit nicht nur ein einzelnes Gotteshaus, sondern ein Ensemble aus Wallfahrtskirche, Winterkirche und Beinhaus.
1399 zerstörte ein Brand beide Kirchen. Der Wiederaufbau zog sich über Jahrzehnte hin: Die kleinere Pfarrkirche war um 1420 wiederhergestellt, die Propsteikirche folgte später im gotischen Stil. Barocke Altäre und Ausstattung ergänzten die mittelalterliche Architektur. Als Maria Wörth 1773 zur weltlichen Pfarre wurde, verlor die Propstei ihre frühere Rolle. Die Insel war durch die Veränderung der Verbindung zum Ufer bereits zuvor Teil der Halbinsel geworden. Vom Kirchplateau öffnet sich der Blick heute auf den Wörthersee, dessen Wasser die historische Lage weiterhin nachvollziehbar macht.
Halbinsel, Wallfahrt und Wege am Wörthersee
Maria Wörth liegt zwischen Seeufer und den bewaldeten Höhen des südlichen Wörtherseegebiets. Der Wanderweg von der Schiffsanlegestelle führt durch den Ort an der Wallfahrtskirche vorbei und steigt durch den Gidlwald zum Pyramidenkogel. Die vom Tourismusverband beschriebene Rundtour über Reifnitz umfasst 11,2 Kilometer und rund 475 Höhenmeter im Aufstieg; die Strecke ist als mittel eingestuft. Vom Aussichtspunkt am Pyramidenkogel reicht der Blick über den See zu den Karawanken im Süden und den Nockbergen im Norden. Die historischen Kirchen und die Höhenwanderung zeigen zwei verschiedene Maßstäbe der Landschaft: sakrale Baukunst am Ufer und ein weiter Rundblick vom Höhenrücken.
Im größeren Seeraum verbindet sich Maria Wörth mit anderen Orten und Uferlandschaften. Auch am übrigen Seeufer prägen unterschiedliche Ortsbilder die Landschaft: am Wörthersee treffen Badeorte, Villen und offene Uferblicke aufeinander; Klagenfurt und die Seegemeinden verbinden Stadtleben und Wasserraum. Auch Pörtschach am Nordufer besitzt eine eigene Geschichte als Sommerfrischeort, mit Villen und einer langen Promenade.
Häufige Fragen zu Maria Wörth
Warum heißt die kleinere Kirche Winterkirche?
Der Name bezieht sich auf die Gedenktage jener Heiligen, die in der Pfarrkirche verehrt wurden und in die Wintermonate fielen. Sie wurde 1155 geweiht und wird auch Rosenkranzkirche genannt.
Wann war Maria Wörth eine Insel?
Die Kirche lag auf einer Insel im Wörthersee, bis die Verbindung zum Festland um 1770 entstand. Die historische Insel ist heute eine Halbinsel am Südufer.
Was ist in der Winterkirche besonders sehenswert?
Im Chor befinden sich romanische Fresken aus dem 12. Jahrhundert mit Christus und den zwölf Aposteln. Sie wurden 1895 freigelegt und zählen zu den wichtigen hochmittelalterlichen Wandmalereien im Alpenraum.